Muss ich wirklich?
Ganz schön ruhig hier.
Mit Erschrecken habe ich festgestellt: mein letzter Blogartikel ist vom **24. September 2024**.
Fast zwei Jahre sind ins Land gegangen...
Davor habe ich darauf geachtet, regelmäßig zu schreiben. Themen sammeln. Überall Bilder machen. Artikel verfassen. Veröffentlichen. Teilen. Und möglichst nicht zu viel Zeit bis zum nächsten Beitrag verstreichen lassen. Denn schließlich heißt es ja: Du musst sichtbar sein.
Und genau bei diesem „musst" bin ich irgendwann hängen geblieben. Wie oft muss man eigentlich sichtbar sein?
Beim Bloggen ist es die Regelmäßigkeit.
Auf LinkedIn sind es – je nachdem, wem man zuhört – zwei, drei oder noch mehr Posts pro Woche. Dazu kommentieren, interagieren und natürlich möglichst schnell antworten.
Dann wäre da idealerweise noch ein Newsletter. Instagram vielleicht auch.
Und irgendwann wird aus Kommunikation ein Redaktionsplan, aus Austausch eine Aufgabe und aus Sichtbarkeit ein weiterer Punkt auf der To-do-Liste.
Die Frage ist doch:
Was soll das eigentlich bringen?
Mehr Reichweite? Neue Kontakte? Anfragen? Umsatz? Bekanntheit? Austausch? Inspiration? Wirtschaftlichen Erfolg? Oder vielleicht sogar Freude?
Sichtbarkeit ist kein Selbstzweck. Natürlich macht es einen Unterschied, ob Menschen wissen, dass es mich und meine Arbeit gibt. Ein guter Artikel kann jemanden zum Nachdenken bringen. Ein LinkedIn-Post kann eine Diskussion auslösen. Über einen Kommentar entsteht ein Kontakt, aus einem Kontakt irgendwann ein Gespräch – und manchmal tatsächlich ein Auftrag. Nicht alles davon lässt sich unmittelbar messen. Manche Menschen lesen lange mit, bevor sie sich melden. Manche erinnern sich Monate später an einen Gedanken. Manche empfehlen uns weiter, obwohl sie selbst nie mit uns gearbeitet haben. Sichtbarkeit wirkt also durchaus.
Aber daraus folgt für mich nicht automatisch: Mehr Sichtbarkeit = mehr Erfolg.
Und schon gar nicht: Mehr Posts = mehr Sichtbarkeit = mehr Kunden = mehr Umsatz = mehr Zufriedenheit. So einfach funktioniert es nicht. Wenn aus „Ich möchte" ein „Ich muss" wird, dann entsteht Druck. Spannend finde ich deshalb eine andere Frage: Was macht der Druck zur Sichtbarkeit eigentlich mit uns? Dann entstehen Selbstgespräche:
- Ich müsste mal wieder posten.
- Ich habe diese Woche noch gar nichts veröffentlicht.
- Mein letzter Newsletter ist schon wieder sechs Wochen her.
- Der Algorithmus mag das bestimmt nicht.
Kommt dir bekannt vor?
Aus einer Möglichkeit wird eine Verpflichtung. Und plötzlich beschäftigen wir uns nicht mehr damit, was wir teilen möchten, sondern damit, dass wir etwas teilen müssen. Das verändert etwas. Denn vielleicht entsteht der interessante Beitrag gerade nicht am Schreibtisch beim verzweifelten Blick auf den Redaktionsplan.
Vielleicht entsteht er in einem Kundengespräch. In einem Workshop. Bei einer Diskussion. Durch einen Satz, der hängen bleibt. Oder – so wie dieser Artikel – durch die Erkenntnis: Ups. Hier war es ziemlich lange ziemlich ruhig. Vielleicht brauchen wir weniger Content und mehr echten Austausch?
Ich mag LinkedIn. Nicht, weil ich dort möglichst viele Menschen erreichen möchte. Sondern weil ich dort Menschen treffe, deren Gedanken mich interessieren. Weil ich andere Perspektiven kennenlerne. Weil aus Kommentaren manchmal spannende Diskussionen entstehen. Weil ich Impulse bekomme und selbst welche weitergeben kann. Was ich nicht mag sind tägliche Angebote von der Stange, die mein Profil optimieren möchten, mir Kunden versprechen, meine Kundenansprache übernehmen möchten. Das nervt!
Für mich ist deshalb nicht die entscheidende Frage: Wie oft muss ich posten? Sondern: Warum möchte ich gerade etwas teilen?
Habe ich etwas erlebt, das andere interessieren könnte? Einen Gedanken, über den ich gerne diskutieren würde? Eine Erfahrung, die jemandem helfen könnte? Eine Frage, auf die ich selbst noch keine Antwort habe? Dann lohnt sich ein Beitrag. Nicht weil Mittwoch ist. Sondern weil es etwas zu sagen gibt.
Und was ist mit diesem Blog?
Fast zwei Jahre kein neuer Artikel. Strategisch klug war das vermutlich nicht. Geschadet hat es meinem Unternehmen – soweit ich das beurteilen kann – trotzdem nicht. Und genau das ist vielleicht die eigentliche Erkenntnis aus dieser Pause: Ich möchte Sichtbarkeit nicht als weitere Verpflichtung behandeln, sondern schreiben, wenn ich etwas zu sagen habe – und Menschen damit erreichen, aber nicht um jeden Preis. Vielleicht wird das der bessere Redaktionsplan.
Und jetzt interessiert mich: Wie ist das bei dir?
Postest du regelmäßig, weil du möchtest – oder weil du glaubst, dass du musst? Und wenn du einmal eine Weile nichts veröffentlichst: Fühlt sich das nach Freiheit an? Oder nach schlechtem Gewissen?